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Archive for 29. März 2008

Am Samstag waren wir in Swanlake in der Westfalenhalle in Dortmund, dem chinesischen akrobatischen Ballett. Wir hatten im Fernsehen Ausschnitte gesehen und waren fasziniert davon, also haben wir die Gelegenheit beim Schopf gepackt und sind dorthin gegangen.

Vor der Show waren links und rechts zwei Projektionsflächen, auf der sich dann China präsentierte. China als fortschrittlichste Nation, vollmaschinelle Produktion in Fabriken, Innovation hier und da und überall, Technik, Roboter, hochtechnisierte Städte, wunderschönen Frauen, die sich in riesigen Shoppingcentern den Kaufrausch ergeben. Ach ja, die ländliche Umgebung wurde auch gezeigt, da sah man dann Männer in teuerer Kleidung auf der Jagd.
Ich hatte das Gefühl, dass irgendwo ein staatlicher chinesischer Funktionär sitzt und genau kontrolliert, dass auch jedes Fizzelchen des Films optimal gezeigt wird. Da kamen in mir wieder alte Bilder hoch. Als wir damals in der 10. Klasse die obligatorische Berlinfahrt machten und natürlich auch einen Tag in Ostberlin waren. Wir mussten uns dann auch in einem Raum so ein Filmchen über die Segnungen der DDR anschauen, durften keine Fragen stellen und wurden dann nur durch die schönsten Straßen von Ostberlin im Bus gefahren, natürlich erst, nachdem wir unser zwangsumgetauschtes Geld dort ausgegeben hatten – immerhin konnte ich dafür Bücher und Klavier-/Geigennoten kaufen. Da ich im Grenzland groß geworden bin und schon als kleines Kind traurig war, weil die Häuser hinter der Mauer nur an der Seite, die nach Westdeutschland zeigte, neu gestrichen waren und die Fenster blind gemacht wurden, und vieles anderes, wie z.B. die Trennung von Familien über Nacht in Mödlareuth, als die Mauer errichtet wurde, hatte ich damals schon eine unbändige Wut, für wie blöd einen eigentlich die staatlichen DDR-Reiseführer, oder besser gesagt das Regime, hielten. Wir haben damals auf der Fahrt nicht den Mund gehalten und unsere begleitenden Lehrer hatten ganz schön Bammel und versuchten uns unter Kontrolle zu bringen.

Genau dies kam wieder hoch, als ich diesen Film sah. Glauben die allen Ernstes, man würde diesen Film glauben? Wenn man die Produktion sah, dann kam in mir der Bild hoch, dass dabei vielleicht billige Markenkopien erstellt werden oder die Produktion läuft, weil das Know-How dafür ausspioniert wurde. Wenn man die im Kaufrausch verfallenen Models sah, dann hatte ich die Bilder von ärmlichen Verhältnissen der meisten Chinesen im Kopf, die glückliche Familie, die durch die Stadt lief, da kam mir die jahrelange Einkind-Politik mit all den grausamen Folgen im Kopf, wie Zwangsabtreibung und Tötung neugeborener Mädchen und die Bilder des fortschrittlichen, offenen Chinas verbanden sind mit den Bildern von Chinas brutalem Vorgehen in Tibet.
Ich will jetzt nicht darstellen, dass alles in China schlecht ist, alles illegal, aber diese Schönfärberei und der Versuch damit aufgeklärte, offene Leute in anderen Ländern zu manipulieren, ist irgendwie arm und lächerlich, wenn nicht auch so viel Schlimmes dahinter stecken würde.

So wunderbar die Show war, so faszinierend die Verbindung von Ballett und Akrobatik, so fantasievoll die Kostüme, wenn der Film am Anfang nicht gewesen wäre, dann hätte ich das mehr genossen.

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